SG Friesen e.V.

So hatte sich das Judoteam Burgenlandkreis den Jahresabschluss nicht vorgestellt: Ohne Medaille ging es von den als Abschluss einer langen Wettkampfphase und des Jahres 2018 geplanten Twente-Judomeisterschaften am Wochenende 15./16. Dezember zurück. Obwohl eine eigentlich erkämpft wurde.

Bei den Twente-Meisterschaften handelt es sich in der Altersklasse U17 um ein Sichtungsturnier des Judo Bond Nederland, aber auch in allen anderen Altersklassen hatten die Sportler dieses Jahr die Möglichkeit, sich mit Nachwuchsathleten der Niederlande, Kanadas, Islands, Deutschlands und Polens zu messen.

Gemeinsam mit dem befreundeten Judo Club Halle und mit Gast Benjamin Kaiser vom Verein „Judo Holzhausen“ starteten für das Judoteam Burgenlandkreis Annemarie und Paul Speiser, Kalle Richter, Mia Kirsch, Laura Wehlmann, Tom-Luca Stahl in der U15, Jakob Holzkämper in der U17 und Jenny Hemstedt in der Ü17.

Am Samstag fand der Wettkampf in der U17 statt. In der Gewichtsklasse -73kg startete Gastkämpfer Benjamin Kaiser. Nach einem neun-minütigem Duell konnte er seinen ersten Kampf erst im Golden Score für sich entscheiden. Großer Respekt für diese konditionelle und mentale Leistung. Die eigentlich vorgeschriebene zehn-minütige Pause wurde ihm vom Veranstalter dann nicht zugestanden. Im Viertelfinale unterlag er dem durch ein Freilos in der ersten Runde frischem und ausgeruhtem Gegner, der später auch die Gewichtsklasse für sich entscheiden konnte. Leider konnte er auch in der Trostrunde keinen Kampf mehr gewinnen und musste sich so mit Platz 7 zufriedengeben. Dafür dennoch herzlichen Glückwunsch.

In der Gewichtsklasse -81kg startete Jakob Holzkämper. In zwei starken Kämpfen konnte Jakob seine Entwicklung zeigen, aber leider keinen Sieg einfahren. Die Gegner waren einfach noch zu erfahren für ihn. Dennoch kann er auf sein erstes Jahr in der U18 mit Stolz zurückblicken, er hat sich in dieser Altersklasse sehr gut bewährt, weshalb er die Männermannschaft der SG Friesen Naumburg – die Domfalken – ab kommender Saison verstärken wird.

Am Sonntag kämpften die übrigen Sportler: In der U15 startete die erst zwölfjährige Mia Kirsch in der Gewichtsklasse -52kg und damit eine Gewichtsklasse höher, als sie sonst kämpft. Das Starterfeld war sehr stark und bestand fast ausschließlich aus Sportlerinnen, die zwei Jahre älter als Mia waren und drei oder vier Graduierungen über ihr. Doch wie üblich ließ sich Mia davon nicht abschrecken und kämpfte mit vollem Elan und ohne Angst. Viele Angriffe gingen auf ihr Konto, doch die Gegnerinnen konnten stets ihre Erfahrung ausspielen und ließen Mia keine Chance. Nach zwei Niederlagen war das Turnier für sie vorbei.

Ähnlich erging es Laura Wehlmann in der Gewichtsklasse -48kg (auch eine höher, als sonst), die aber immerhin in ihrem ersten Kampf mit einer schönen Fußtechnik in Führung gehen konnte.

Tom-Luca Stahl sorgte wieder einmal für Staunen bei seinen Gegnern. In der Gewichtsklasse -55kg stand er zunächst einem Braungurt gegenüber, der den Burgenländer eindeutig ob des niedrigen Gürtels unterschätzte. Doch das Training beim Wettkampfteam zahlt sich bei Tom-Luca aus und er schmiss den erfahrenen Gegner nach etwa einer Minute mit einem schönen Tai-otoshi voll auf den Rücken und gewann damit den Kampf. Ab da waren seine Gegner gewarnt, doch Tom-Luca machte es jedem der beiden folgenden Kontrahenten schwer, griff stets beherzt an und zeigte gute Aktionen. Letztlich sollte er jedoch keinen weiteren Sieg einfahren können, aber der 7. Platz bei diesem Turnier ist eine hervorragende Leistung – gerade für einen Sportler wie Tom-Luca, der erst vor ein paar Wochen zum Wettkampfteam gestoßen ist.

Die Medaillenhoffnung lag nun also bei Kalle, Paul (wie Mia beide erst zwölf Jahre alt), Annemarie und Jenny, bei allen vieren sah Trainer Jakob Schiek durchaus Chancen.

Paul (-38kg) zeigte trotz der für ihn neuen Regeln taktisch gutes Judo, im ersten Kampf unterlag er einem sehr erfahrenen Sportler, im zweiten fand er lange kein Mittel gegen die dominante Fassart des Gegners und erhielt zwei Shido-Bestrafungen. Zwar sah es kurzfristig so aus, als würde er den Spieß umdrehen können, doch sein Gegner rang Paul auch den dritten Shido und damit die Niederlage ab. Pauls Leistung und vor allem sein Kampfgeist konnten sich jedoch sehen lassen. Der mentale Fortschritt des vergangenen Jahres, den Paul damit demonstriert hat, ist ebenso wichtig, wie eine technische Entwicklung.

Leider war auch für Kalle Richter das Turnier nach zwei Niederlagen vorbei: In seinem ersten Kampf traf er auf einen Bezirkskaderathleten aus Bottrop. Die beiden Deutschen waren die einzigen Sportler in der Gewichtsklasse -34kg, die in der ersten Runde kämpfen mussten, die übrigen Sportler (allesamt aus den Niederlanden) hatten ein Freilos. Wie gewohnt griff Kalle seinen Gegner sehr schnell an, der nutzte nach wenigen Sekunden die Übergangssituation effektiv aus und würgte Kalle ab. In seinem zweiten Kampf erhielt Kalle zwei fragwürdige Shido-Bestrafungen – so erhielt er nach zwei Angriffen eine Bestrafung für Inaktivität, während sein niederländischer Gegner keinen Angriff brachte und keine Strafe erhielt – und musste daher risikoreicher kämpfen, geriet erneut in einer Übergangssituation in eine Würgetechnik und musste aufgeben. Damit waren zwei eingeplante Platzierungen dahin.

Doch mit Annemarie Speiser war ein sehr starker Pfeil im Köcher des Judoteams Burgenlandkreis, in ihrer neuen Gewichtsklasse -63kg dominierte Annemarie zuletzt viele Turniere und kämpfte z. T. schon starke Kämpfe in der höheren Altersklasse U18. In der U15 gab es dieses Jahr bereits in Kopenhagen eine Medaille bei einem internationalen Turnier. In Enschede hieß es ein letztes Mal U15. Und Annemarie zeigte, dass sie erneut eine Medaille auf der europäischen Bühne wollte: Gewohnt schnell und bissig eröffnete sie den Kampf und ging bereits mit der ersten Aktion in Führung. Doch dann der Schock für alle: In einer Übergangssituation überhörte Annemarie das Unterbrechungssignal des Kampfrichters, zog eine herausgearbeitete Würge durch und wurde dafür mit Hansokumake (Disqualifikation) von der Matte geschickt; extra ärgerlich: Da die Kampfrichter Annemaries Aktion als grob unsportlich ansahen, wurde sie aus der Turnierliste gestrichen. Wenn man sich das Starterfeld anschaute, hatte Annemarie auf jeden Fall Chancen auf eine Medaille. Die Entscheidung zur Disqualifikation in der fraglichen Situation mag durch die Regeln möglich sein, doch jeder, der Annemarie kennt, weiß, dass sie niemals absichtlich eine Gegnerin verletzen würde oder gegen den Geist des Judo handeln würde und ein anderes Kampfrichterteam hätte sicher anders entschieden. Doch wie es sich im Judo gehört, akzeptierten Annemarie und Trainer Jakob die Entscheidung der Kampfrichter und verließen die Matte.

Nun war es an Jenny Hemstedt in der Ü17 -57kg die Ehre des Judoteams Burgenlandkreis zu retten. Das Starterfeld war sehr stark und z. T. mit bekannten Gegnerinnen besetzt, denen Jenny bisher immer unterlag. Doch dies hat Jenny noch nie abgeschreckt. Aktiv und beherzt ging sie in den Wettkampf, zeigte gutes Judo, musste sich zunächst jedoch zweimal geschlagen geben. Da aber im Gegensatz zu den Gewichtsklassen der anderen Burgenländer bei Jenny im Modus „Jeder-gegen-Jeden“ und nicht im Doppel-K.O.-System gekämpft wurde, ging es weiter und die Chancen auf Bronze waren noch vorhanden. Aufgrund der übrigen Begegnungen in der Gewichtsklasse würde schon ein Sieg in einem der beiden verbleibenden Kämpfe reichen, um aufs Treppchen zu kommen und so studierten Jenny und Trainer Jakob die übrigen Gegnerinnen in deren Begegnungen und entwarfen eine Strategie für den dritten Kampf. Diese setzte Jenny hervorragend um und der Plan ging auf: Mit einem tollen Uchi-mata holte sich Jenny einen Waza-ari und nutze die folgende Übergangssituation gut aus, um den Ippon mit einer Festhalte nach Hause zu holen. Die Freude über die sichere Medaille war bei Sportlerin und Trainer groß und dass der letzte Kampf gegen die stärkste Kontrahentin im Feld verloren ging spielte keine Rolle.

Bei der Siegerehrung gab es dann aber nur noch große Augen bei den Burgenländern: Eigentlich gibt es im Judo zwei Bronzemedaillen pro Gewichtsklasse, egal in welchem Modus gekämpft wird. Allerdings entschied sich der Veranstalter, in der -57kg Klasse Ü17 nur eine zu vergeben. Jenny ging leer aus. Frustration und Ärger waren bei allen im Team die Folge.

Trainer Jakob bilanzierte, dass die Leistungen der Sportler nicht in den Ergebnissen wiederzufinden waren. Es mag stimmen, dass wer einfach Ippon wirft, sich nicht zu beschweren braucht, doch die schiere Masse an fragwürdigen Entscheidungen seitens Kampfrichtern und Veranstalter gegen die Sportler aus Naumburg, Bad Kösen und Holzhausen hinterlassen doch einen seltsamen Beigeschmack. Erst Recht, wenn man sich vor Augen führt, dass die kanadischen, isländischen und polnischen Sportler ähnliche Erfahrungen an dem Wochenende machen mussten. Das wirft leider kein gutes Licht auf den Judosport und die Lehre, die das Wettkampfteam Burgenlandkreis aus diesem Turnier ziehen ist, dass man sich im nächsten Jahr eher ein anderes Turnier im Ausland suchen wird. Zunächst wird man jedoch wieder auf die Landesmeisterschaften U18 und U21 im Januar / Februar und die Copenhagen Open an den Osterfeiertagen hinarbeiten. Insgesamt war es trotz des wenig erfreulichen Abschlusses ein sehr erfolgreiches Wettkampfjahr für das Wettkampfteam Burgenlandkreis, welches 2019 fortgesetzt wird – versprochen, Hajime!