SG Friesen e.V.

Judo sein und vor allem Judo zeigen hieß es für die Judoka Sachsen-Anhalts am Wochenende der 30. Wiedervereinigung Deutschlands.

Am 03. und 04. Oktober fand der 3. Landesmannschaftscup, unter veranstaltender Hand der Domfalken Naumburg, des JC Halle und des PSV Anhalt Zerbst, ausgerichtet vom PSV Merseburg statt.

In wochenlanger Vorarbeit wurde in unter großem Aufwand federführend von Jakob Schiek und Volker Veit in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein umfangreiches Hygienekonzept entwickelt. Ein Einbahnstraßensystem in der gesamten Rischmühlenhalle, separate Mannschaftsboxen auf den Feldbereichen und getrennte Umkleiden, dazu eine Maskenpflicht abseits der Matte und auch auf der Matte – wenn dort auch nur für die Kampfrichter – und eine Desinfektion der Matten sowie Lüftung der Halle nach jeder Mannschaftsbegegnung. Gerade Judo als Kontaktsport hat es unter derzeitigen Bedingungen schwer überhaupt einen Wettkampf zu veranstalten, umso schöner dass sich das Team um den Landesmannschaftscup den Mühen annahm nach neun Monaten wieder einen Wettkampf im Land Sachsen-Anhalt durchzuführen.

Natürlich gingen die Einschränkungen zum Wettkampf wie auch im Trainingsbetrieb vorher nicht spurlos am Teilnehmerfeld vorbei. Traten in den letzten beiden Jahren in der Männerkonkurrenz noch jeweils zehn Mannschaften auf die Tatami, waren es in diesem Jahr nur halb so viele. Auch die weiblichen Judoka mussten einen Rückgang verzeichnen, hier trotzten aber immerhin auch zwei Teams den widrigen Umständen.

Dass auch in diesen Zeiten Judo möglich ist, wollten die angetretenen Teams hochmotiviert zeigen – um zum nächsten Schlagwort des Wochenendes zu kommen: Eine Signalwirkung sollte dieses Event auch über die Landesgrenzen hinaus haben, so kam der MDR mit einem Übertragungsteam an um den Sonntag live ins Internet zu übertragen, moderiert von Olympiabronzemedaillengewinnerin Annett Böhm.

Nach der Eröffnung durch Cheforganisator Jakob Schiek und Ausrichter Volker Veit begannen die Kämpfe Samstag auf drei Matten. In jederzeit fairen, großteils spannenden und teils hochklassigen Kämpfen maßen sich die Männer im Modus jeder gegen jeden und die Frauen im Best-of-three. Im Frauenfeld konnten sich die Judoka des JC Halle gegen unsere Frauenpower Naumburg mit zwei zu null durchsetzen und verteidigten damit ihren Titel aus dem Vorjahr. Für die Frauenpower kämpften Tabea Möser, Stefanie Meißner-Paschy und natürlich Kapitänin Jenny Hemstedt, die mit der Leistung ihrer Frauen zufrieden war. Gegen die deutlich wettkampferfahreneren JClerinnen hatten sich alle gut geschlagen und die Silbermedaille war erkämpft.

Die Siegerehrung bei den Frauen nahmen Emil Hennebach und Kevin Müller, Kämpfer des 1. Bundesligateams des Judoclub Leipzig vor, welche auch für Autogramme und Bilder zur Verfügung standen.

Nach Titelverteidigung sah es am Samstag auch bei den Männern aus. Der klare Favorit SV Halle gewann gegen die Kampfgemeinschaft Haldensleben / Merseburg, den JC Halle und unsere Domfalken Naumburg jeweils perfekt mit 5:0 und musste lediglich gegen den SV Blau-Rot Pratau einen Kampf abgeben.

Dahinter entwickelte sich ein spannendes Feld mit Überraschungen. Der Haldensleber JC, im letzten Jahr mit der Silbermedaille geschmückt, tat sich aus Personalnot mit dem ausrichtenden PSV Merseburg zusammen und konnte trotzdem die unterste Gewichtsklasse -66 kg nicht besetzen. Das tat ihrem Kampfgeist aber keinen Abbruch und so gewannen sie direkt die erste Begegnung gegen den JC Halle (2019 Bronze, 2018 Silber) mit 3:2. Die Überraschung des ersten Tages stellte Blau-Rot Pratau dar, welche ihre Kämpfe gegen die Kampfgemeinschaft und die Domfalken Naumburg ähnlich wie der SV Halle mit 5:0 abschließen konnten. Aus Burgenländersicht war Trainer Jakob vor allem mit dem Kampf gegen den JC Halle zufrieden, in dem Neuzugang Dennis Dürgerow eine Gewichtsklasse höher gestellt wurde und in der -73 kg Klasse direkt einen Punkt holte. Einen weiteren Punkt holte Manuel Weinelt -90 kg. Somit verlor man nur knapp gegen den Medaillenverteidiger mit 3:2.

Nach einem erfolgreichen ersten Wettkampftag sollte auch der kulturelle Teil nicht zu kurz kommen und die Band The Yeeaf! gab sich in ungewohnter Location die Ehre. Trotz kleinem Zuschauerkreis und Abstand unter den Zuhörern brachte die Band aus Schülern und Studenten eine tolle Stimmung auf die Matte und animierte innerhalb der Vereine auch einige Judoka dazu, sich einmal mit Partner zu bewegen, ohne diesen hinzuwerfen.

Am Sonntag ging der Wettkampf pünktlich mit der Liveübertragung des MDR um 10 Uhr los. Neben Annett Böhm führte auch Jakob Schiek, neben seiner Funktion als Organisator, als Co-Kommentator fachkundig durch die Kämpfe.

Die KG Haldensleben / Merseburg sowie Blau-Rot Pratau bestätigten in ihren ersten Kämpfen die gute Form von Vortag. Doch dieser Sonntag sollte noch eine faustdicke Überraschung parat haben. Was keiner vor dem Wettkampf erwartet hatte trat tatsächlich ein, der SV Halle musste zum ersten Mal in drei Jahren Landesmannschaftscup die Siegpunkte abgeben: Schon am Vortag hatte sich abgezeichnet, dass die Mannschaftsbegegnung SV Halle vs. Pratau die spannesten Kämpfe bieten würde. Die blau-roten Pratauer konnten mit viel Kampfgeist und perfekt von Trainer und Kapitän Julius Hannig eingestellt, den Favoriten mit 3:2 besiegen, was die Tabellensituation noch einmal spannend gestaltete. Würden beide Teams wie am vorherigen Tag ihre restlichen Kontrahenten besiegen, so würden die Unterpunkte entscheiden und der SV Halle zeigte sich von der Niederlage beeindruckt und schaffte im Hallenser Derby gegen den JC Halle nur noch  ein knappes 3:2. Die Rechenschieber wurden rausgeholt doch nach dem letzten Duell stand fest, dass die Hallenser das Triple geschafft hatten. Der SV Blau-Rot Pratau musste sich am Ende mit 33 Unterpunkten geschlagen geben, freute sich aber nach Platz 5 im letzten Jahr sichtlich über die Silbermedaille. Die Domfalken wiederholten das knappe 3:2 gegen den JC Halle – wiederum holten Dennis und Manuel die Punkte.

Bronze ging an die KG Haldensleben / Merseburg, die das gesamte Turnier lediglich zu viert bestritten. Der JC Halle musste sich mit Platz 4 begnügen und die (nicht nur sprichwörtliche sondern auch physische) rote Laterne verweilt ein weiteres Jahr in Naumburg.

Mannschaft Siege : Niederlagen Punkte Unterpunkte Platzierung
SV Halle 7:1 14 330:70 1.
SV Blau-Rot Pratau 7:1 14 297:97 2.
KG Haldensleben – Merseburg 4:4 8 157:237 3.
JC Halle 2:6 4 147:247 4.
Domfalken Naumburg 0:8 0 60:340 5.

 

Zum Abschluss des Wochenendes wartet noch ein weiteres Highlight. Als Kirsche auf der Sahnetorte reiste eine Vertretung der Bundesligamannschaften des JC Leipzig an und stellte sich einer gemischten Mannschaft aus den Teilnehmern des Landesmannschaftscups. Das Endergebnis mit 0:17 für den JC Leipzig fiel dann deutlicher aus als es die Einzelkämpfe zeigten. Die Kämpfer aus Sachsen-Anhalt hatten bereits zwei lange Wettkampftage hinter sich und müssen sich für ihre Leistung definitiv nicht verstecken, galt es doch gegen Größen wie René Kirsten, Kevin Müller oder Simon Yacoub anzutreten. Tabea Möser und Jenny Hemstedt von der Frauenpower Naumburg gingen noch einmal an den Start, genauso wie Nachwuchs-Kämpferin Hannah Möttig, die es Mia Holz aus Leipzig sichtlich schwer machte. Von den Domfalken kämpften noch einmal René Leopold,  Konstantin Ricker, Dennis Dürgerow und Lucas Schiefelbein sogar gleich zweimal.

Im letzten Kampf des Tages ging dann der Trainer der Domfalken Jakob Schiek doch auch noch auf die Matte, um den Stress des Wochenendes abzukämpfen: Er stellte sich, wie Lucas zuvor auch, den Olympiateilnehmer von Rio 2016 Simon Yacoub, konnte aber trotz Kampfgeist den Ehrenpunkt nicht nach Sachsen-Anhalt holen.

Im Anschluss ließen es sich die Domfalken und Frauenpowerinnen beim All-you-can-eat-Sushi schmecken und die Gaststarter aus Köthen und Quedlinburg taten gleich kund, dass man in der nächsten Saison wieder in der schwarzen Hose für Naumburg auf der Matte stehen wolle. Vielen Dank Männer, ihr seid eine Bereicherung für unser Team. Danke auch an Werner fürs Betreuen und Irina fürs Fahren.

Im Namen aller Teilnehmer ergeht nochmal ein großes Dankeschön an das Ausrichterteam des PSV Merseburg um Volker Veit, an Christian Kaiser für die Organisation der teils weit angereisten Kampfrichter, welche einen guten Job machten, an den JC Halle für die Bereitstellung der Technik, Matthias Meyer für die finanzielle Verwaltung und noch einmal an Jakob für seinen unermüdlichen Einsatz.

Das wir Judo sind haben wir gezeigt, jetzt heißt es Judo bleiben.

Julius Hannig und Jakob Schiek